S‘ Heljeheisje

von Birgit Lehr

Das Heiligenhäuschen, das bereits 1820 im Kataster erwähnt wurde, stand bis 1917 im alten Dorf, in der Einmündung zum Binger Weg mitten in der Straße. Das kleine Bauwerk mit einer Heiligenfigur ging etwa 1891 in das Eigentum der katholischen Kirche über.

1917 musste es wegen der Gefährdung der durch den Bergbau verursachten Bodensenkungen abgerissen werden. Erst 1923 wurde es an der heutigen Stelle (Kreuzung von Gartenstraße und Ernst-Esch-Straße) auf einem Grundstück, das der Grube Dr. Geier gehörte, wieder aufgebaut. Wie zu dieser Zeit üblich wurden die Wände aus Backsteinen gemauert und innen und außen verputzt. Das Dach wurde mit Biberschwanzziegeln gedeckt. Das Grundstück wurde um 1955 nach der Feldumlegung vergrößert. Der Maschendrahtzaun und die Holzlattentür wurden durch einen Bruchsteinsockel mit Pfeilern und Lattenzaunfeldern ersetzt. Die rückwärtige Mauer wurde als Ehrenplatz für die Kriegsgefallenen der katholischen Kirchengemeinde gestaltet. Für jeden in den beiden Weltkriegen Gefallenen wurde ein Keramikkreuz an der Wand angebracht.
([Aus Heimatmagazin Nr. 22, Oktober/2010, Verein der Heimatfreunde Waldalgesheim e. V. und Genheim)

Mit den Jahren nahmen die Schäden am und um das Bauwerk zu, das Heiligenhäuschen wurde immer unansehnlicher. Nach mehr als 50 Jahren war es an der Zeit für eine grundlegende Sanierung, um das Heiligenhäuschen, das zum Ortsbild von Waldalgesheim gehört, zu erhalten. 2014 wurde das Projekt von der katholischen Kirchengemeinde mit Unterstützung der Heimatfreunde in Angriff genommen.

Der Startschuss fiel im Winter und der erste Baum wurde gefällt. Die weiteren Arbeiten unterteilten sich in drei Phasen:

1. Die rückwärtige Mauer
Die nicht mehr reparablen Kreuze wurden von der Mauer entfernt und erfreulicherweise größtenteils von den Familienangehörigen übernommen.
Von beiden Seiten der rückwärtigen Mauer wurde der alte Putz abgeschlagen; per Hand wurde neu verputzt, wofür etwas zwei Tonnen Material verarbeitet wurden.
Die Wand wurde auf beiden Seiten neu gestrichen.
Da sich die Gedenkstätte für alle Kriegsgefallenen der Gemeinde jetzt auf dem Friedhof befindet, wurde auf eine Neugestaltung der Wand als Gedenkstätte verzichtet.

2. Die Umfriedungsmauer
Der Metallzaun und das Tor wurden mit Sand abgestrahlt und neu lackiert,
die Steinmauer mit Hochdruck gereinigt und neu versiegelt.

3. Das Heiligenhäuschen:
Die Dachziegel wurden mit Hochdruck gereinigt,
der durch Feuchtigkeit beschädigte Putz erneuert,
das Gesims und der Altarraum neu gestrichen.

Leider konnte die Idee, die Renovierung über die Ehrenamtsförderung des Kreises zu finanzieren, aufgrund eines Formfehlers nicht umgesetzt werden. Finanziert wurde die Sanierung dennoch durch die Gemeinde Waldalgesheim, die katholische Kirchengemeinde und durch Spenden.
Als Baustein für das Heiligenhäuschen haben die Heimatfreunde ein Lesezeichen entworfen und drucken lassen, das erstmalig am katholischen Pfarrfest gegen eine Spende von 1 EUR erworben werden konnte.

Dank einer Spende von Helga Maria Haack konnte die Madonna des Denkmals von Maler Robert Annweiler restauriert werden.
Zum Transport und zur Zwischenlagerung der sehr schweren Gipsfigur diente eine extra angefertigte und mit Stroh ausgelegte Holzkiste. Bevor die Madonna neu grundiert und bemalt werden konnte, wurde die alte Farbe abgelaugt und dabei zeigte sich überraschend, dass die Madonna bereits zweimal neu gestrichen worden war. Schließlich wurde sie nach Ideen von Frau Haack und Herrn Annweiler neu und mit viel Liebe zum Detail gestaltet.

Dem ehrenamtlichen Einsatz von Konrad Schütz, Günter Heil, Toni Klingler und Günter Münch ist es zu verdanken, dass das Heiligenhäuschen wieder in neuer Schönheit erstrahlt. Dabei wurde das Team durch unsere Malteser durch die Versorgung mit Wasser und Strom und die Bereitstellung von Stauraum (für Maschinen, Werkzeug und Material) in deren Vereinsheim unterstützt.
Auch die Anwohner selbst stellten ihre Garage zur Verfügung, um den Putz, der auf zwei Paletten angeliefert wurde, unterzustellen. Die zuverlässige Zusammenarbeit im Team, die gute Unterstützung durch die Nachbarschaft sowie die Gespräche mit Passanten haben zur Motivation und zum Spaß bei der Arbeit beigetragen!

Bei herrlichem Sonnenschein wurde dann endlich am 24.09.2014 das Heiligenhäuschen eingeweiht und gesegnet.
Viele Waldalgesheimer, selbstverständlich der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Franz-Josef Riediger, der Ortsbürgermeister Stefan Reichert sowie Mitglieder des Gemeinderates und des Vereins der Heimatfreunde Waldalgesheim sind erfreulicherweise der Einladung des katholischen Pfarrgemeinderates St. Dionysius gefolgt.
Frau Margret Walach (Vorsitzende des Pfarrgemeinderates) würdigte mit passenden Worten das Heiligenhäuschen als ein erhaltenswertes Bauwerk in Waldalgesheim. Das Heiligenhäuschen gehört zum Ortbild und lädt auch in der heutigen Zeit immer wieder Passanten zum Innehalten ein. Sie dankte allen, die die Renovierung erst ermöglicht und unterstützt hatten. Im Anschluss segnete Pfarrer Alfons Schmitz das Heiligenhäuschen.
Umrahmt wurde die Feierlichkeit von Liedern des Katholischen Kirchenchors „Cäcilia“. Annähernd 80 anwesende Gäste nahmen die Einladung an, danach bei „Weck, Worscht und Woi“ im und um das von den Maltesern freundlicherweise zur Verfügung gestellte Vereinsheim das kulturelle Ereignis gemeinsam zu feiern.

Nun bleibt noch der Ausblick:
Für eine weitere Umgestaltung der Außenanlage ist es geplant, einen Spritzschutz entlang der Mauer und rund um das Heiligenhäuschen anzulegen, sowie eine Bepflanzung der Rasenfläche vorzunehmen. Für den Altarraum sollen Leuchter angeschafft werden.

Randnotiz:
Leider ist bereits eine erste Reparatur fällig, denn der linke Mauerpfeiler neben dem Eingangstor zum Grundstück war beim Rangieren durch einen größeren Wagen angefahren und beschädigt worden. In diesem Zustand lässt sich das Tor nicht schließen. Der Verursacher ist bekannt, und der Schaden wird von der Versicherung beglichen.

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